+++Interviewserie DC Garfield Hamm+++Andreas Deppe+++

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Im Rahmen der Interviewserie 20/21 möchten wir euch in der langwierigen Lockdownzeit nicht nur SpielerInnen präsentieren, sondern auch darüber hinaus Einblicke in die Darts Welt geben, die für uns alle so spannend ist. Heute dürfen wir euch jemanden aus dem hohen Norden vorstellen, der seit zwei Jahren als Sportwart im SHDV – Schleswig-Holsteinischer Dartverband e.V. tätig ist und zudem seit 2020 als Trainer bei den Schönberger 180’s. Wie das alles zusammen hängt und warum ein Trainer im Darts, vor allem auch im Sinne der Jugendförderung zielführend ist, lest ihr hier im einem, wie wir finden, sehr ausführlichen und daher auch interessanten Interview.

1) Garfield Hamm: „Darts ist für mich…“

Andreas Deppe: „…viel mehr als nur Pfeile zielgenau ins Board zu werfen. Als allererstes zählt natürlich der Spaß am geselligen Miteinander. Gerade die „Darter-Familie“ zeichnet sich durch einen tollen Zusammenhalt aus. Aber auch die Herausforderung, Mentales, Intuitives und Bewusstes zusammen zu bringen und sich, sowohl im Dartsport als auch dadurch persönlich, immer weiter zu entwickeln, macht diesen Sport aus – und natürlich auch immer wieder der „Kick“, sich Drucksituationen auszusetzen.“

2) GH: „Bei einem der stark wachsenden Vereine im SHDV bist du aktuell als Trainer für die Jugendlichen zuständig. Beschreib uns doch kurz deinen Werdegang!“

AD: „Begonnen mit dem Darts spielen habe ich 1999. Bis 2005 habe ich die ersten Pfeile in meinem Heimatverein in Eutin gespielt. Durch einen Umzug nach Niedersachsen habe ich dann vier Jahre nur privat gespielt. Nach meiner Rückkehr nach Schleswig-Holstein 2009 habe ich dann wieder bis 2012 in Eutin gespielt. Zudem war ich in dieser Zeit Sportwart im SHDV und habe angefangen, meine ersten Trainingsideen zu entwickeln. Ebenfalls in dieser Zeit habe ich drei Mal an den „German Masters“ in Kirchheim teilnehmen dürfen. Von 2012-2018 war dann Pause, da ich alleinerziehender Vater bin und zu wenig Raum dafür hatte. 2018 habe ich wieder bei den Eutinern begonnen zu spielen, bin dann aber 2020 zu den Schönberger 180´s gewechselt. Seit 2019 bin ich Sportwart im SHDV und ebenfalls in diesem Jahr habe ich mich zum Bundesligaschiedsrichter ausbilden lassen. Seit März 2020 bin ich C-Trainer Breitensport Darts und Ausbildungsreferent in der Trainerausbildung. Mit dem Wechsel nach Schönberg wurde mir dort dann auch die Trainingsbetreuung der Jugendlichen anvertraut.“

3) GH: „Welche Inhalte sind dir im Training mit den Jugendlichen besonders wichtig und wie sehen die Trainingseinheiten aus?“

AD: „Bei Jugendlichen finde ich es extrem wichtig, von Beginn an technisch saubere, fehlerquellenarme Grundlagen zu installieren, ohne die Individualität zu ändern. Mit technisch sauberen Grundlagen meine ich, Fehlerquellen konsequent auszumerzen/zu verhindern. Das ist für mich die Grundlage!! Das Rechnen und die mentale Stärke sind dabei nachrangig angeordnet, gewinnen aber mit wachsendem Leistungsstandard zunehmend an Bedeutung. Auch die Kids da abzuholen, wo sie stehen, ist eine große Herausforderung. Der Begriff „Talent“ ist im Dartsport sehr schwierig zu definieren, da es immer individuelle Stärken und Schwächen in verschiedenen Bereichen gibt, die es gilt zu verbessern bzw. zu festigen und auszubauen. Hierbei halte ich eine ausgewogene Balance der einzelnen Bereiche für entscheidend für den langfristigen Erfolg (wie sich „Erfolg“ auch immer für den Einzelnen definieren mag). Letztendlich müssen ja alle Komponenten zusammengeführt werden (Koordination, mentale Stärke, Technik, Rechnen, Physis). Die größte Herausforderung für mich ist es aber, dieses alles so auf die Beine zu stellen, dass immer der Spaß und der Anreiz im Vordergrund stehen. Das ist für mich das Allerwichtigste! Meine Trainingseinheiten versuche ich immer derart zu konzipieren, dass sie auch in die Tagesform der Jugendlichen passen. Das heißt, ich schaue mir die/den Jugendliche/n am Trainingstag an und verbinde dieses mit dem Trainingskonzept und dem Leistungs-/Entwicklungsstand. Danach wähle ich dann dementsprechend die Übungen aus. Ich halte dieses Vorgehen für extrem wichtig, da starres Durchbringen eines Trainingsplanes nicht Zielführend sein muss. Was bringt es, etwas zu erklären, wenn der/die Jugendliche in dem Bereich an diesem Tag nicht aufnahmefähig ist? Um das so umsetzen zu können, muss ich natürlich gut vorbereitet sein und mich mit vielen Möglichkeiten an Trainingsspielen/Übungsmethoden selbst ausstatten. Diese sollten in einem Gesamtkonzept vorhanden sein.“

4) GH: „Trainer im Darts – inwiefern ist das ein „Job“, der in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen wird und inwiefern möchtest du dich zukünftig weiter fortbilden?“

AD: „Das ist eine sehr komplexe Frage, die bestimmt noch einige Zeit diskutiert werden wird. Für mich persönlich ist es DER Job der Zukunft. Letztendlich wird es recht wenig neue Erkenntnisse geben, da das Spiel das gleiche bleiben wird und somit auch die Anforderungen an den/die SpielerInnen.Das Wissen, was man benötigt, um gut Darts spielen zu können, ist vorhanden.Das, was sich entwickeln wird, ist, meiner Meinung nach, das „Wie komme ich dahin“ und „Wie bringe ich das Wissen an den Mann/die Frau“. Dadurch, dass Darts immer populärer wird und sich viele Sportvereine im Breitensport dem Darts öffnen, sollte sich die Art und Weise der Wissensvermittlung entwickeln. Nicht jeder möchte Profi werden, würde aber dennoch gerne besser werden. Genau, wie in anderen Sportarten auch. Ich sehe mich und meine Trainerausbildung noch lange nicht als abgeschlossen an, da ich den Dart-Trainer für die herausforderndste Aufgabe überhaupt halte. Da ich auch im Fußball und im Basketball den Trainerschein besitze, kann ich aus dieser Position, in Verbindung mit meiner Überzeugung, abschätzen, wie viel komplexer das Thema „TrainerIn im Dart“ ist. So gehört für mich zu jedem Praxisteil auch immer eine mentale Trainings-Komponente. Für die mentale Komponente ist auch die Physis wichtig, das Rechnen ist eine Grundlage und die Individualität ist immer zu berücksichtigen. Das, was ich damit sagen möchte, ist, dass alles miteinander verknüpft ist. Und das fordert den/die Dart-TrainerIn in besonderem Maße. Als nächsten Schritt möchte ich mich im Mental-Coaching-Bereich weiterentwickeln und nehme hierfür nochmal ein Studium auf. Auch mit PhysiotherapeutInnen stehe ich im Austausch. Planen möchte ich ebenfalls einen „TrainerInnen-Stammtisch“, regional wie bundesweit. Ich würde mich freuen, wenn wir es schaffen, die vielen SpezialistInnen an einen Tisch bekommen, um uns alle dementsprechend weiterentwickeln zu können. Damit meine ich z.B. Mental-Coaches, TopspielerInnen, Physio-TherapeutInnen, TrainerInnen.“

5) GH: „Der SHDV erfreut sich ja eines beeindruckenden Wachstums – was zeichnet diesen Verband in deinen Augen besonders aus?“

AD: „Für mich war und ist der SHDV wie eine zweite Familie. In den letzten Jahren haben wir viele gute und erfolgreiche Entwicklungsschritte getan. Wir sind sehr fokussiert, die Leute vor das Board zu bekommen und haben uns nicht so sehr mit „personalpolitischen“ Dingen beschäftigt. Natürlich gibt es das auch. Dennoch denke ich, dass die praktischen Entscheidungen, die das Dartspielen voranzubringen, überwiegen. Entscheidend, denke ich, sind die Positionen des/der zweiten stellv. Sportwartes/in (Akquise) und des/der Vize-Präsidenten/in (Fördergelder/Ausbildung). Der Vorschlag unseres Präsidenten, diese Themen anzugehen, war, meiner Meinung nach, genau der richtige. Natürlich haben wir noch einige Baustellen, um die wir uns kümmern müssen. Wir im Vorstand versuchen aber, diese nach Prioritäten geordnet nach und nach abzuarbeiten. Einfach toll ist aber auch das sehr gute Verbands-Zugehörigkeits-Gefühl seitens der SpielerInnen. Die Entwicklung in diesem Bereich, was die konstruktive Kritik bei respektvoller Kommunikation und das „gemeinsam entwickeln wollen“ angeht, ist unser größtes Plus.“

6) GH: „Inwiefern können in dem Corona bedingt veränderten Darts Jahr auch Chancen für die für die Zukunft liegen?“

AD: „Ich sehe durch die Corona-Pandemie durchaus viele Chancen für den Dart-Sport. Natürlich ist es schwer oder gar unmöglich, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Hier ist aber die sportliche Führung gefordert, die Lücken zu nutzen, die sich bieten und auch den Mut zu besitzen, neue Wege zu gehen. Zuerst einmal wird den SpielerInnen bewusst, wie wichtig es ist, sich gemeinsam am Oche zu messen. Dinge, die vorher selbstverständlich waren, sind nun nicht mehr verfügbar. Gleichzeitig kann man die Zeit nutzen, einen Bereich zu forcieren, der einem sonst nicht so bewusst ist: Die Konzentration auf das eigene Spiel!Ansprechen möchte ich damit das recht strittige Thema „Online-Darts“. Die OrganisatorInnen (Vorstand, sportliche Leitung, etc.) sollten die Zeit nutzen, Dinge weiter zu entwickeln (Spielformen, Turnier-/Liga-Modi, Trainingsmethoden). Hier können tolle Dinge entstehen. Oft habe ich in letzter Zeit die Kritik vernommen, Darts entwickle sich negativ. Ich sehe das nicht so. 501 DO bleibt 501 DO- Eine 180 bleibt eine 180. Vielleicht entwickelt sich nur der Weg dahin auf eine andere Art und Weise. Und vielleicht entsteht dadurch ja auch Gutes. Zeigen wird sich das, wenn wir wieder gemeinsam am Oche stehen können.“

Quelle: DC Garfield Hamm